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Teil 1
Eine nicht alltägliche Geschichte
Vor nicht allzu langer Zeit lebte Biba mit ihrem Mann, dem starken Biber, ganz in der Nähe eines kleinen Flusses, der in die große Elbe mündete.
In der Urwüchsigkeit der Flusslandschaft fanden sie all das, was sie zum Leben brauchten. Hier gab es reichlich Futter. In Hülle und Fülle wuchsen Blumen, Pflanzen und Bäume.
Jeden Tag mühte sich das Biberpaar, eine Unterkunft aus abgenagten Ästen und Zweigen der Büsche und Bäume zu errichten. Sie schmückten den Bau mit Blumen und Pflanzen des Flussufers und hatten viel zu tun.
Ihr Bauwerk wurde immer größer und schöner, bis eine richtige Burg mit unterirdischen Eingängen und Höhlen entstand.
In das seichte kühle Nass des kleinen Flüsschens schleppten sie Baumstämme, um das Wasser an ihrer Biberburg anzustauen.
Und wenn das Biberpaar nicht Baumstämme nagte oder auf Nahrungssuche ging, spritzten und tollten die Beiden darin ausgelassen herum, bis sie sich müde in ihren Bau zurückzogen, um ein Schläfchen zu halten.
Kurzum Biba und ihr Mann waren glücklich und zufrieden.
So verging das Jahr.
Als der Winter mit Schnee und Eis einzog, versank das Land um sie herum im dichten Weiß der Flocken.
Auch der Biberbau wurde mit einer dicken Schneedecke überzogen. Biba kuschelte sich darin ganz dicht an ihren Mann, so dass sie die Kälte nicht all zu sehr spürten. Und bald darauf fielen die Beiden in einen langen tiefen Schlaf. Sie träumten von der wärmenden Sonne, dem Glitzern des Wassers am seichten Ufer des Flüsschens, an dem sie lebten. In ihren Träumen waren sie nicht allein. Sie lebten mit drei kleinen Biberkindern am Wasser und hatten unentwegt zu tun, die hungrigen Mäuler zu stopfen.
Als endlich eines Tages ein leiser wärmender Wind um die Biberburg säuselte, erwachten Biba und ihr Mann aus ihrem langen Winterschlaf. Sie traten vor ihre Wohnung.
Die Strahlen der Sonne kitzelten ihre Nasen. Frisches Grün regte seine zarten Spitzen dem blauen Himmel entgegen. Die Beiden begrüßten den Frühling und freuten sich, endlich wieder in dem kleinen Fluss schwimmen und fischen zu können.
Doch plötzlich überkam sie eine nicht bekannte Sehnsucht. Sie fühlten sich irgendwie einsam und allein. Deshalb beschlossen sie, eine Familie zu werden.
Der Sommer war da, als Biba am Morgen eines warmen Tages weit die Fenster ihrer Wohnung öffnete, um den Duft der Gräser und Blumen des Flussufers in die Biberburg herein zu lassen. Doch wer war da noch? Biba schaute nicht allein aus ihrem Unterschlupf. Hinter ihr drängten drei kleine Näschen neugierig nach draußen. Die Biber hatten Nachwuchs bekommen und waren nun Mama und Papa.
Teil 2
Die Zeit war gekommen, den Kindern die bunte Welt zu zeigen.
Jeden Tag erklärte Mama Biber ihren Kleinen, wie sie sich vor Feinden schützen müssen, während sie Papa Biber beim Nagen großer Baumstämme zuschauen durften und ihrem Vater immer öfters nacheiferten. Die Jungen erlernten den Bau von Höhlen und Burgen, um sich bald selbst einen Unterschlupf errichten zu können. Den größten Spaß aber bereitete ihnen das Jagen und Toben im kühlen Nass des Flüsschens. Stolz schauten die Bibereltern dabei ihren Kindern zu, obwohl Bibas Sorge immer größer wurde, dass ihr Nachwuchs vor lauter Übermut zu weit hinaus in die Mündung schwimmt und von dem schnellen Wasser und den schäumenden Wellen der vorbei fließenden Elbe erfasst wird. Immer und immer wieder sprach sie über lauernde Gefahren, denn sie liebte ihre Kleinen sehr und wollte keines von ihnen verlieren.
Eines Tages zog ein Unwetter übers Land und die liebe warme Sonne versteckte sich hinter dem Grau des Himmels. Dicke dunkle Wolken erreichten den kleinen Fluss und schütteten ihre nasse Last über dem Bau der Biberfamilie aus. Es regnete und goss Tag und Nacht.
Der kleine Fluss wurde größer und größer, bis schließlich die Wassermassen über die Ufer traten und den Biberbau bedrohten.
Biba beruhigte ihre ängstlichen Kinder, warnte sie aber auch gleichzeitig davor, den Bau zu verlassen. Dann ging sie mit ihrem Mann hinaus, um die Wohnung vor dem steigenden Fluten zu sichern. Wohin sie schauten, überall sahen sie Wasser. Es bedeckte die Wiesen um sie herum und die Büsche und Bäume ragten nur noch ihre grünen Spitzen dem Himmel entgegen. Das kleine Flüsschen, an dem sie so glücklich lebten, hatte sich mit der großen Elbe vereinigt und riss alles mit sich davon, was ihm im Wege stand. Auch die Bibereltern drohten, von den Fluten erfasst und fortgespült zu werden. Angestrengt widersetzten sie sich den Naturgewalten, um die Biberburg zu sichern und zu befestigen.
Aufgeregt schauten die Biberkinder den Eltern aus der schützenden Unterkunft zu.
Biba drohte die Kraft zu versiegen. Als der Kleinste der jungen Biber das sah, wollte er seiner Mutter zu Hilfe eilen. Er rief nach ihr, aber sie hörte ihr Kind durch das gewaltige Rauschen des Flusses nicht. So konnten die Bibereltern ihren Nachwuchs von diesem gefährlichen Vorhaben nicht abhalten.
Als sich der kleine Biber vor den Biberbau begab, wurde er sofort von einer Welle erfasst. Sie trug ihn davon, weit ab von seinem zu Hause. Der Wind trieb die Welle auf die große Elbe und in rasender Geschwindigkeit spülten die gewaltigen Fluten das Biberkind davon.
Teil3
Der kleine Biber weinte und jammerte. Biba und der starke Biber aber waren weit, weit weg.
Bloß gut, dass unser Biberkind ein sehr guter Schwimmer ist! So ließ er sich auf der großen Elbe treiben, bis ihm ein entwurzelter Baumstamm begegnete. Unser kleiner Biber krabbelte auf das schwimmende Holz und gab sich der wilden Strömung der Elbe hin.
Genau zu dieser Zeit befand sich die Feuerwehr mit vielen fleißigen Helfern im tagelangen Einsatz, pumpte Wohnungen und Keller der Häuser entlang der Elbe aus und trotzte gemeinsam mit den Menschen der Stadt dem gewaltigen Hochwasser.
Endlich! Zum ersten Mal seit vielen Tagen blinzelte die Sonne hinter den Wolken hervor. Das Wasser der Elbe begann zu glitzern. Ein Sonnenstrahl streichelte ganz sanft das kleine Biberkind und ließ sein weiches, nasses Fell erglänzen.
Die Feuerwehrleute bemerkten am Ufer den vorbei treibenden Baum. Sie sahen den glänzenden, fast reglosen Körper darauf und hörten das leise, kaum noch zu vernehmende Wimmern des Biberjungen. Entschlossen und mutig retteten sie den kleinen Biber aus dm Wasser der Elbe. Sie hüllten ihn in warme Tücher, gaben ihm zu essen und einer der Feuerwehrmänner kuschelte das Biberjunge zärtlich an sich. „Wo kommst Du denn her?“ fragte der Feuerwehrmann. Und der kleine Biber erzählte von seinen Erlebnissen. Er musste fast weinen, als er davon sprach, wie die Wasserfluten ihn von zu Hause wegtrieben, als er seiner Mutter zu Hilfe eilen wollte. Mit seinen warmen, starken Händen streichelte der Feuerwehrmann ganz sanft das Biberjunge und erkundigte sich nach seinem Namen. Doch darauf konnte unser kleiner Biber dem Feuerwehrmann keine Antwort geben. Er hatte ja noch keinen Namen.
So vergingen die Tage.
Unser kleiner Biber fühlte sich wohl und geborgen bei den Feuerwehrmännern und beschloss bei ihnen zu bleiben. Er lernte viel von ihnen und half nach seinen Möglichkeiten mit, das Hochwasser zu besiegen.
Kindern, denen die gewaltigen Fluten alles entrissen, das Spielzeug, das Bett, manchmal sogar die ganze Wohnung, brachte er durch die Vorführung tollkühner Kunststücke zum Lächeln und machte ihnen Mut beim Erzählen seiner eigenen Erlebnisse.
Er liebte die Kinder, genauso wie die Feuerwehr, die ihn rettete.
Für seine Tapferkeit und Hilfsbereitschaft erhielt unser kleiner Biber eine große Auszeichnung von den Feuerwehrleuten. Sie überreichten ihm eine richtige maßgeschneiderte Feuerwehrdienstbekleidung, die er nun jeden Tag voller Stolz tragen darf.
Und so wurde der kleine Biber und die Feuerwehrleute unzertrennbare Freunde.
Der kleine Biber erhielt von den Kindern und Feuerwehrleuten den Namen "Flori".
Er will auch in Zukunft mit seinen Freunden von der Feuerwehr für die Kinder unserer Stadt da sein. Er möchte ihnen nützlich Ratschläge und Tipps geben, damit sie sich im Gefahrenfall richtig und situationsgerecht verhalten können, will mit ihnen Üben und Spielen. Er will die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten und ihnen behilflich sein, sich und bewusst mit den Elementen der Natur, besonders aber mit dem Feuer, umzugehen.